In Frankfurt klaffen die Immobilienpreise zwischen Baujahren extrem auseinander. Nur Düsseldorf zeigt eine ähnlich starke Dynamik im Vergleich. Zwischen Gründerzeitfassaden, Nachkriegsmoderne und neuen Quartieren aus Glas und Beton wird in Frankfurt nicht nur Stadtgeschichte sichtbar, sondern auch ein harter Preisvergleich. Eine aktuelle Analyse von Von Poll Immobilien zeigt: Der Wert von Wohnimmobilien folgt längst nicht mehr allein dem Baujahr. In der Mainmetropole fällt vor allem eines auf: Der Preissprung zwischen einzelnen Baualtersklassen ist so stark wie in kaum einer anderen deutschen Großstadt.
Besonders deutlich zeigt sich das bei Immobilien aus den Jahren 1991 bis 2020. In Frankfurt liegen die durchschnittlichen Angebotspreise hier bei 6766 Euro pro Quadratmeter – rund 2253 Euro mehr als bei Objekten aus der Bauphase 1961 bis 1990. Damit gehört Frankfurt bundesweit zu den Städten mit den größten internen Preisabständen zwischen zwei direkt aufeinanderfolgenden Baujahrklassen. Nur Düsseldorf weist mit einem Plus von gut 1700 Euro eine ähnliche Dynamik auf.
Die Analyse vergleicht Angebotspreise in fünf Baujahresclustern – vom historischen Altbau bis 1930 bis hin zum Neubau ab 2021 – in den acht deutschen A-Städten. Während Neubauten fast überall die teuerste Kategorie bilden, gibt es zwei prominente Ausnahmen: Hamburg und München. Dort liegen die Preise für sanierte Altbauten aus der Vorkriegszeit sogar über denen moderner Neubauten. In München werden für Altbauten im Schnitt 11 856 Euro pro Quadratmeter aufgerufen, Neubauten liegen darunter bei 10 572 Euro. In Hamburg beträgt der Abstand gut 600 Euro zugunsten des Altbaus.
Frankfurt folgt diesem Sonderweg nicht. Hier bleibt der Neubau – wie in den meisten Metropolen – die Spitzenkategorie, während historische Altbauten zwar gefragt, aber preislich nicht dominant sind. Auffällig ist vielmehr, dass Immobilien aus den 1960er bis 1990er Jahren in Frankfurt zu den günstigsten Segmenten zählen. Bundesweit zeigt sich dieses Muster nahezu flächendeckend: Diese Baujahre prägen vielerorts den Markt, gelten aber wegen energetischen Sanierungsbedarfs und technischer Defizite als preissensibler Bestand.
„Das Preisgefüge spiegelt heute vor allem Lage, Zustand und Marktknappheit wider“, sagt Daniel Ritter, geschäftsführender Gesellschafter bei Von Poll Immobilien. Gerade in Städten mit hohem Neubaupreisniveau würden Käufer zunehmend zwischen „nicht reproduzierbarem Altbau“ und hochstandardisiertem Neubau unterscheiden. Frankfurt liege dabei klar im Spannungsfeld zwischen wachsender Nachfrage, hohen Grundstückskosten und begrenztem Neubauangebot.
Ein Blick auf andere Metropolen verdeutlicht die Unterschiede: In Stuttgart kosten Neubauten im Schnitt rund 2100 Euro mehr pro Quadratmeter als Immobilien aus den Jahren 1991 bis 2020, in Berlin beträgt der Aufschlag gut 1300 Euro. Leipzig verzeichnet trotz niedrigeren Gesamtniveaus ebenfalls einen kräftigen Neubauaufschlag. Gemeinsam ist allen Städten: Der Sprung zum Neubau ist teuer – der Schritt zurück in die 1990er oft günstiger, als es auf den ersten Blick scheint.
Für Frankfurt bedeutet das: Wer kauft, muss genauer hinsehen als früher. Baujahr allein taugt kaum noch als Wertindikator. Energetischer Zustand, Lagequalität und Sanierungsstand entscheiden zunehmend darüber, ob Geschichte, Nachkriegsmoderne oder Neubau am Ende den höheren Preis rechtfertigt.
Quelle: Frankfurter Neue Presse
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